Book part: Strategische Unbestimmtheit und kulturelle Überlebensfähigkeit. Von der Dehnbarkeit des kulturwissenschaftlichen Argumentes
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Abstract
An sich erregen ästhetische Strategien
in theoretischen Umgebungen zumeist
Verdacht. Dennoch sind sie nahezu
unausrottbar und zumal für Kulturwissenschaftler
ein Hort ständiger Verführung.
Die so beliebte Selbstversorgung
im Arsenal ästhetischer Instrumente und
Strategien verdankt sich jedoch keineswegs
nur einem von einer Mischung aus Vertrautheit
und Trägheit geprägten kulturellen
Milieu, sondern sie kann sich, wenn
schon keinem strategischen Kalkül, so doch
einem Gespür für die nicht unerheblichen
Vorzüge ästhetischen Argumentierens verdanken.
McLuhan ist zweifellos ein solches
Gespür zuzugestehen und viele seiner
wirren Argumentationsfetzen dürften sich einem solchen Habitus verdanken. Allein
schon die Form des Slogans, die bei ihm an
die Stelle des geschlossenen Argumentes
tritt, ist zunächst einmal vor allem eines,
nämlich ästhetisch. McLuhan ignoriert
so – gleich ob souverän oder durch theoretische
Unfähigkeit getrieben – alle Regeln
des theoretischen Diskurses und ist sich
darin auf frappante Weise mit all denen
einig, die selbst von nicht unerheblicher
Theoriefeindlichkeit regiert werden und sich
in theoretischen Umgebungen immer schon
eher unsicher fühlen. Ganz unabhängig
davon, ob der Diskurs sich strategischer
Planung oder theoretischer Notdurft verdankt,
dürfte er sowohl die erstaunliche
Überlebensfähigkeit als auch die planlose
Ubiquität und immer noch vorhandene
Attraktivität McLuhans erklären.

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