Im Kino formen die Filme und die Menschen einander gegenseitig ein – und lassen sich dabei in exemplarischer Weise beobachten. Beim Betrachten der Menschen, die der Film hervorbringt, werden wir selber hervorgebracht, als Menschen des Films. Und die Menschen des Films sind ihrerseits nur als Beziehungen wirksam, in die sie verstrickt sind. Sie sind z.B. immer eingelassen, nicht zuletzt in die Bilder und Prozesse des Films selbst. Sie sind sichtbar und hörbar oder eben verborgen; sie sind positioniert, situiert und zugleich beweglich, sie sind zentriert oder dezentriert, sie sind adressierbar, handlungsfähig oder gelähmt, sie sind festgelegt und dennoch unvorhersehbar und in allem ihrerseits, ganz wie die Medien, die all diese Beziehungen stiften und regulieren, unhintergehbar fremd- und selbstbezüglich. Zu dem, was sie – und wir – als Menschen des Films sind, werden sie als und durch ihre Medialität, durch das, was sie mit anderen Menschen, mit Dingen und Sachverhalten, mit Orten und Zeiten, mit Blicken und Bewegungen, mit Zeichen und Spuren, mit Erwartungen und Erinnerungen verknüpft und involviert, vor allem aber mit den bewegten Bildern und ihren Operationen selbst, die sie hervorbringen. Mensch und Medium des Films sind aufeinander unlösbar bezogen, sind nur als „anthropomediale Relationen“ (C. Voss) wirksam und beschreibbar. Die Vorlesung untersucht anhand ausgewählter Filme, die im Lichthaus Kino in voller Länge vorgeführt werden, die spezifischen Ausprägungen der anthropomedialen Relationen, in die die Menschen des Films eingelassen sind.