Für die Medientheorie erweisen sich Phänomene der Störung spätestens dann als besonders bedeutsam, wenn sie nicht mehr nur als Un- oder Zufälle ansonsten ›reibungslos‹ verlaufender medientechnischer Prozesse gedeutet, sondern als integraler Bestandteil von Medialität selbst begriffen werden können. Von Martin Heideggers »Zeug«-Analysen bis zu Michel Serres‘ »Parasitologie« ist Störung mit und gegen das kommunikationstheoretische Paradigma als jenes Element beschrieben worden, anhand dessen sich die materielle Eigensinnigkeit der Medien selbst beobachten lässt und das damit den Blick auf Dynamiken von Medialität jenseits der Funktionsweise technischer Artefakte lenkt. Dies ist einer der zentralen Ansatzpunkte aktueller Medientheorie, die hoffen kann, aufgrund des Explikationspotenzials des Störungsphänomens den Begriff des Medialen schärfer konturieren zu können.



Gesamtheft

Benjamin Beil (Hg.)

I AM ERROR. Störungen des Computerspiels (Navigationen 12/2, 2012)

Inhalt

Markus Rautzenberg; Andreas Wolfsteiner

Einleitung

S. 7–9

Markus Rautzenberg

Unzuhanden. Wie Computerspiele aufsässig werden

S. 11–21

Philipp Bojahr

Zwischen Unfall und Unanimität. Aisthesis und Ästhetik im Computerspiel

S. 23–45

Andreas Wolfsteiner

Errorszenario. Zur Relation von Störung, Planung und Objekt beim Bildschirmhandeln

S. 47–59

Stephan Schwingeler

Störung als künstlerische Strategie. Kunst mit Computerspielen zwischen Transparenz und Opazität

S. 61–78

Benjamin Beil

Wrong Enough. Gestörte Selbstanschauungen im Computerspiel

S. 79–98

Thomas Hensel

Autodestruktionen | Autoikonoklasmen des Computerspiels

S. 99–116