Filmblatt 46/47 | 2011/12 41 Detlev Humann Kleinkrieg beim Kulturfilm Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung und der Streit um Kampf um Brot (1936) FilmDokument 133, 18. April 2011 Um die Massenarbeitslosigkeit des Jahres 1933 zurückzudrängen, betrieben die Nationalsozialisten nicht einfach nur Arbeitsbeschaffung. Vielmehr insze- nierte das Regime mit großem Propaganda-Rummel die „Arbeitsschlacht“.1 Die- se kriegerische Metapher sollte sowohl Eifer und Entschlossenheit als auch generalstabsmäßige Planung suggerieren. Mit Planung und Koordination war es freilich nicht weit her: Denn die beiden wichtigsten Beschäftigungsformen, nämlich Notstandsarbeiten und Arbeitsdienst, konkurrierten miteinander und produzierten beträchtliche Reibungen. Notstandsarbeiten liefen unter der Re- gie der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, die mit ihren Arbeitsämtern vor Ort vertreten war. Der Arbeitsdienst, seit seiner Etablierung 1931 unter der Ägide der Reichsanstalt, trennte sich organisato- risch ab, schuf sukzessive einen eigenen Behördenapparat und ging damit auf Konfrontationskurs zur Reichsanstalt. Die meisten Konflikte entstanden ab Sommer 1933, als sich der „gleichgeschaltete“ Arbeitsdienst aus ideologischen Gründen vom Sportstättenbau verabschiedete und stattdessen Bodenbearbei- tung betrieb. Diese Auseinandersetzungen dauerten rund drei Jahre. Erst dann wurden die Notstandsarbeiten eingeschränkt, weil es dank der anziehenden Rüstungskonjunktur immer weniger Erwerbslose gab. Seit Sommer 1933 überschnitten sich die Tätigkeitsbereiche von Notstands- arbeitern und Arbeitsdienstleistenden häufig: Bei Notstandsarbeiten waren erwachsene Erwerbslose mit Infrastrukturarbeiten befasst, sie entwässerten Wiesen, bauten Wege, verlegten Wasserleitungen und dergleichen.2 Im Arbeits- dienst wurden junge Männer zu Erdarbeiten herangezogen; sie sollten die nati- onalsozialistische Blut-und-Boden-Verehrung verinnerlichen und militärische Tugenden trainieren.3 Beide Beschäftigtengruppen waren mit Bodenverbes- 1 Vgl. dazu ausführlich Detlev Humann: „Arbeitsschlacht“. Arbeitsbeschaffung und Propaganda in der NS-Zeit 1933–1939. Göttingen 2011. 2 Zu den Notstandsarbeiten vgl. Humann: „Arbeitsschlacht“, S. 242–364. 3 Zum Arbeitsdienst vgl. v.a. Kiran Klaus Patel: „Soldaten der Arbeit“. Arbeitsdienste in Deutsch- land und den USA 1933–1945. Göttingen 2003; Michael Hansen: „Idealisten“ und „gescheiterte Filmblatt 46/47 | 2011/1242 serungsarbeiten, den sogenannten Meliorationen, befasst. Weil sich die Füh- rungsspitzen nicht darauf einigen konnten, die Aufgaben abzusprechen und aufzuteilen, konkurrierten beide Institutionen vor Ort um dieselben Projekte. Streitigkeiten zwischen Behörden und interne Scharmützel beherrschten so jahrelang die „Arbeitsschlacht“ des NS-Staates. Das galt sowohl für die tat- sächlichen Landeskulturarbeiten als auch für die propagandistische Darstel- lung der „Arbeitsschlacht“ im Film.4 Wie sehr Eifersucht und Konkurrenzneid die Darstellung im Film prägten, lässt sich exemplarisch am „Landeskulturfilm“ kampf um Brot nachzeichnen, an dem Reichsanstalt und Arbeitsdienst gemeinsam beteiligt waren. Die über- lieferten Akten der Reichsanstalt zeigen, was beide Institutionen umtrieb: einerseits die Finanzierungsschwierigkeiten, vor allem aber Befürchtungen, selbst nicht angemessen repräsentiert zu werden. Anfang April 1935 trat der „Sonderbeauftragte für Landeskultur im Reichs- ministerium für Ernährung und Landwirtschaft“, Staatsminister Hans-Joachim Riecke, an die Reichsanstalt heran und schlug vor, sich finanziell an einem 20-minütigen Dokumentarfilm mit dem Arbeitstitel „Das deutsche Landeskul- turwerk im Reiche Adolf Hitlers“ zu beteiligen. Er sollte exemplarisch zeigen, „wie im Dritten Reich Wasserwirtschafts- und Landeskulturaufgaben ange- packt werden“: „Das Ziel ist nicht die Herstellung eines trockenen Lehrfilms, in dem einzelne Landeskulturarbeiten in loser Aufeinanderfolge vorgeführt werden, denn derartige Filme gibt es genügend. Vielmehr soll in lebendigen und eindringlichen Bildern, die durch das gesprochene Wort erläutert werden, in möglichst geschlossener Handlung gezeigt werden, dass wir genügend Land besitzen, um jedem Deutschen Arbeit und Brot zu schaffen, und dass das deutsche Landeskulturwerk für die weitere Daseinssicherung des Deutschen Volkes, insbesondere für die Erringung der Nahrungsfreiheit, für die Lösung der Devisenfrage und für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit von entschei- dender Bedeutung ist.“5 Existenzen“. Das Führerkorps des Reichsarbeitsdienstes. Dissertation, Universität Trier 2004, URL:  http://ubt.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2004/266/  (3.11.2011);  Humann:  „Arbeitsschlacht“, v. a. S. 366–479. 4  Das Thema „Arbeitsbeschaffung“ wurde beispielsweise auch in den folgenden drei Kurzfil- men der Reichspropagandaleitung der NSDAP behandelt: auS Der tIefe emPor (1934) gab einen umfassenden Überblick über die Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung, arbeIt unD Wehr (1936) lobte Arbeitsbeschaffung und Aufrüstung, ohne sie jedoch miteinander in Verbindung  zu bringen, und eIner von vIelen (1936) erzählte in Form eines Kurzspielfilms von der Arbeits- beschaffungslotterie, die den kleinen Leuten neue Arbeit und einen Hauptgewinn bescherte.  5 Sonderbeauftragter Riecke an Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversi- cherung  (RfAA) vom 1.4.1935. Bundesarchiv  (BA) R 3903/124, Bl. 72–73. Der Hinweis auf  den „trockenen Lehrfilm“ könnte sich beziehen auf Filme wie urbarmachung von ÖDlanD (Archivtitel, Bundesarchiv-Filmarchiv, undatiert). Filmblatt 46/47 | 2011/12 43 Der Propagandafilm sollte nach den „besonderen Anweisungen“ des Sonder- beauftragten von der Ufa hergestellt werden und zeigen, dass sich mit Landes- kulturarbeiten gravierende Schwierigkeiten verkleinern oder zum Verschwin- den bringen ließen: Dank Bodenverbesserungen und landwirtschaftlichem Wachstum sollte die Lebensmittelversorgung autark werden. Weil dann keine Nahrungsimporte mehr nötig wären, würden sich gleichzeitig die Devisenprob- leme reduzieren, die – was unausgesprochen blieb – die Staatsfinanzen wegen der Aufrüstung belasteten. Und schließlich könnte so auch noch die Arbeits- losigkeit zurückgedrängt werden. Meliorationen sollten folglich als Universal- heilmittel erscheinen, das die wichtigsten politischen Probleme lindern oder lösen könne. Von der Schwierigkeit, 35.000 Reichsmark aufzutreiben. Klar war für Staatsminister Riecke, dass er bei diesem Projekt die Federführung selbst über- nehmen wollte. Ebenso klar war, wer lediglich finanzieren sollte: das Reichser- nährungsministerium, der Reichsarbeitsführer, der Reichsnährstand, die Deut- sche Rentenbank-Kreditanstalt, die Deutsche Bodenkultur-AG und schließlich die Reichsanstalt. Jeder Geldgeber sollte bis zu 6.000 Mark zu den voraus- sichtlichen Gesamtkosten von 35.000 Mark beisteuern. Landwirtschaftlich ori- entierte Finanziers sowie der Arbeitsdienst, der sich guter Beziehungen zum Ernährungs- und Landwirtschaftsministerium erfreute, hatten also ein Überge- wicht. Nur die Hauptstelle der Arbeitsverwaltung stand etwas einsam daneben, weil sie keine genuin agrarpolitischen bzw. agrarideologischen Ziele verfolgte. Allerdings hatten die genannten Institutionen und deren nachgeordnete Stel- len im Alltagsgeschäft immer wieder Kontakt miteinander, wenn es um die Finanzierung und Durchführung von Meliorationen ging. Die Reichsanstalt begrüßte das Vorhaben als Werbemaßnahme für die eige- nen Aktivitäten bei der Arbeitsvermittlung, bei der Finanzierung und bei der Realisierung von Notstandsarbeiten; „unter allen Umständen“ müsse aber si- chergestellt werden, dass der Film die eigenen Tätigkeiten dem Zuschauer „in Wort und Bild“ näher bringe.6 5.000 Mark schienen als Beitrag zum Projekt zu genügen. Diese Fördersumme wurde jedoch von Friedrich Syrup, dem Präsiden- ten der Reichsanstalt, wieder gestrichen, weil ein Veto des Reichsfinanzminis- teriums die Gelder für den Film sperrte.7 Die Frage der Finanzierung beschäftigte denn auch den Sonderbeauftragten Riecke und die von ihm versammelten Behördenvertreter bei drei Besprechun- gen, die Ende Juni, Anfang Juli und Ende August 1935 im Reichsernährungs- ministerium stattfanden. Schon in der Einladung zur ersten Besprechung war der Reichsanstalt zugesagt worden, dass sie im Film „paritätisch“ zum Arbeits- 6 Vermerk vom 8.4.1935, BA R 3903/124, Bl. 75. 7 Vermerk vom 13.4.1935, BA R 3903/124, Bl. 75. Filmblatt 46/47 | 2011/1244 dienst zur Geltung käme, sogar dann, wenn sie kein Geld geben könne.8 Um die noch fehlenden Gelder zusammenzubringen, wollte Riecke im Finanzminis- terium persönlich vorsprechen. Vereinbart wurde bei dieser Besprechung der kürzere und kämpferische Titel kampf um Brot. Auch wurde von Rudolf Schaad und dem Ufa-Kulturfilmre- gisseur Ulrich Kayser der Rohentwurf des Drehbuchs erörtert, dessen Inhalt und Aufbau der offenbar hinzugeladene Vertreter des Propagandaministeriums als „geschickt und voraussichtlich sehr publikumswirksam“ bezeichnete. Dem Abgesandten der Reichsanstalt wurde versprochen, dass in einer überarbeite- ten Drehbuchversion „die Form der Notstandsarbeit besser berücksichtigt“ und „bei der Szenengestaltung betreffend Arbeitsamt, Vermittlung, Notstandsar- beit usw.“ die Reichsanstalt „maßgeblich eingeschaltet“ würde. Wie sich die Reichsanstalt ein ihr genehmes Drehbuch vorstellte, ist der Version zu ent- nehmen, die sie bei der Besprechung erhielt und im eigenen Haus akribisch untersuchte und „verbesserte“: An mehreren Stellen, an denen in der alten Version hunderte von Arbeitsdienstmännern vorgesehen waren, setzten die Mitarbeiter der Reichsanstalt stattdessen „Notstandsarbeiter“ ein.9 Im fertigen Film dominierte trotzdem der uniformierte Arbeitsdienst mit seinen Marsch- kolonnen und Fähnchen. Bei der zweiten Besprechung im Reichsernährungsministerium Anfang Juli 1935 wurde entschieden, im Film jeweils drei Maßnahmen des Arbeitsdienstes und drei Notstandsarbeiten darzustellen, die möglichst über das Reich ver- streut sein sollten.10 Insofern schien die von der Reichsanstalt postulierte Pa- rität gewahrt. Fortschritte gab es bei der Finanzierung: Bis Mitte Juli hatten Reichsernährungsministerium, Rentenbank-Kreditanstalt und Deutsche Bo- denkultur-AG jeweils 6.000 Mark zugesagt.11 Um die Gesamtkosten von 35.000 Mark zu decken, intervenierte Riecke zudem beim Reichsfinanzministerium und erreichte, dass der Reichsanstalt die finanzielle Beteiligung am Film ge- stattet wurde.12 Nun ersuchte der Präsident der Reichsanstalt, Syrup, seinen unmittelbar vorgesetzten Minister Seldte um die Freigabe des Geldes. Er versi- cherte bei dieser Gelegenheit, dass die Notstandsarbeiten ebenso eindrücklich 8  Vermerk Bardows vom 1.7.1935 zur Sitzung vom 27.6.1935, BA R 3903/124, Bl. 81–82.  9  Rudolf  Schaad und Ulrich Kayser : kamPf um brot.  Entwurf  für einen ca. 400 mtr.  langen  Kulturfilm für das Reichsernährungsministerium vom 24.4.1935 in Abschrift. Laut Vermerk an  die Reichsanstalt übergeben am 27.6.1935. BA R 3903/124, Bl. 106–116. Vgl. ebd. Bl. 110, 112. Auf Bl. 113 korrigierte die Reichsanstalt „Kolonnen von Arbeitern und Arbeitsdienstmännern“ zu „Kolonnen von Notstandsarbeitern und Arbeitsdienstmännern“. 10  Vermerk Bardows vom 6.7.1935 zu einer Besprechung am 5.7.1935. BA R 3903/124, Bl. 80. 11  Riecke an Reichsfinanzministerium (RFM), Olscher, vom 17.7.1935 in Abschrift: Landeskul- turfilm. BA R 3903/124, Bl. 83R–84R.  12 RFM an Reichsarbeitsministerium (RAM) vom 7.8.1935 in Abschrift an RfAA. BA R 3903/124, Bl. 83. Filmblatt 46/47 | 2011/12 45 dargestellt würden wie der Arbeitsdienst und betonte, dass „die durch Not- standsarbeiten erzielte Gesamtleistung auf dem Gebiete der Meliorationen im engeren Sinne diejenige des A[rbeits]d[ienstes] nicht unerheblich übertrifft.“13 Als das Reichsarbeitsministerium im Oktober 5.000 Mark für den Film freigab, war dessen Finanzierung längst gesichert und die Dreharbeiten im Gange.14 Der Reichbauernführer übernimmt. Ende August 1935 war die Finanzie- rung von kampf um Brot bereits geklärt: Die Gesamtkosten wurden auf 30.000 Mark begrenzt, wobei Rentenbank und Bodenkultur-AG im Fall der finanziellen Nichtbeteiligung von Reichsanstalt und Arbeitsdienst einspringen würden.15 Nun übernahm der Reichsbauernführer die Trägerschaft des Films. Sie wan- derte sozusagen vom Reichsernährungsministerium zum Reichsnährstand, an deren Spitze beide Male dieselbe Person stand, Richard Walther Darré. Zusam- men mit dem Propagandaministerium führte danach das Stabsamt des Reichs- bauernführers die Verhandlungen mit der Ufa über Herstellung und Verleih des Films. Durch die Zusammenarbeit mit dem Marktführer Ufa und die Koppelung von kampf um Brot als Vorfilm auf einen „erstklassigen Spitzenfilm“ verspra- chen sich die Behörden eine umso größere propagandistische Ausstrahlung. „Wenn, wie beabsichtigt, der Film von der Universum-Film AG hergestellt wird, so ist damit zu rechnen, dass der Film von mindestens 10 Millionen deutschen Volksgenossen gesehen wird“, so Riecke erwartungsvoll.16 Zwischen dem Propagandaministerium und dem Stabsamt des Reichsbauern- führers einerseits und der Ufa andererseits stellten sich allerdings inhaltliche Diskrepanzen ein: Den bisherigen Filmentwurf hielt die Ufa für ungenügend, sie stellte deshalb selbst ein neues Drehbuch her; die vorangegangenen Ab- sprachen – auch was die „paritätische“ Repräsentation von Arbeitsdienst und Reichsanstalt anging – wurden dadurch offenbar hinfällig. Nur den Passus zu den Meliorationen sollte ein Ausschuss ausarbeiten, an dem Reichsanstalt, Ar- beitsdienst, Stabsamt des Reichsbauernführers, Reichsernährungsministerium, Ufa und ein Vertreter des Sonderbeauftragten beteiligt waren, Letzterer feder- führend. Mit anderen Worten hieß das: Ein Ausschuss aus fünf Behörden und Behördenteilen sowie der Produktionsfirma durfte sich mit einer zurechtge- stutzten Aufgabe befassen. Eine Vielzahl von Vertretern kaprizierte sich auf einen winzigen Teil des Filmprojekts. Das Ringen um Einfluss sollte sich wieder bei den Dreharbeiten zeigen. Zuerst musste das Drehprogramm geändert werden, weil viele Arbeitsdienstführer im 13  RfAA, Syrup, an RAM vom 27.8.1935: Landeskulturfilm. BA R 3903/124, Bl. 85.  14 RAM an RfAA vom 16.10.1935. BA R 3903/124, Bl. 105. 15 Vermerk vom 28.8.1935 zur Besprechung am 28.8.1935. BA R 3903/124, Bl. 87–88. 16  Riecke an Reichsfinanzministerium, Olscher, vom 17.7.1935  in Abschrift: Landeskulturfilm.  BA R 3903/124, Bl. 83R–84R. Filmblatt 46/47 | 2011/1246 September 1935 durch anderweitige propagandistische Aufgaben verhindert waren – sie marschierten auf dem Reichsparteitag in Nürnberg.17 Als dann Ufa und Landesarbeitsamt Nordmark Notstandsarbeiten an der Küste besichtigten, die aufgenommen werden sollten, wollte auch der Arbeitsdienstführer aus Kiel teilnehmen, „um alle Maßnahmen im gegenseitigen Einvernehmen festzule- gen“, wie die Formulierung in einem Vermerk der Reichsanstalt lautete, die das gegenseitige Misstrauen verriet. Derselbe Vermerk betonte zudem, dass das Stabsamt des Reichsbauernführers federführend sei, nur für „rein technische Fragen“ sei die Ufa zuständig. Im September wurde auch der Vertrag zwischen Ufa und dem Stabsamt des Reichsbauernführers unterzeichnet. Dabei hatte das Stabsamt dem Hersteller und Verleiher Ufa ein paar exklusive Vorrechte gestrichen, so dass es den Film selbst leichter verwenden konnte: kampf um Brot konnte so schon vor 1937 in eigenen Vorführungen gezeigt werden und „jederzeit“ in geschlossenen Veranstaltungen, die der „Schulung und Aufklä- rung“ dienten.18 Daneben durfte der Film in kinolosen Orten von der NSDAP mit transportablen Vorführgeräten gezeigt werden. Die Ufa selbst garantierte mindestens 5.000 Kinovorstellungen in anderthalb bis zwei Jahren. Zu den Kosten von 30.000 Mark kamen weitere 3.000 Mark für das Urheberrecht hin- zu, das an den Reichsbauernführer fiel.19 Erst am 30. Januar 1936 fand bei der Ufa die Abnahme von kampf um Brot statt.20 Mitte März erhielten die beteiligten Stellen die Aufforderung, die zwei- te Hälfte ihres Anteils an die Ufa zu zahlen. Der Zahlungsaufforderung war zu entnehmen, wie sich die Gesamtkosten verteilten: Reichsernährungsmi- nisterium und Reichsnährstand zahlten jeweils 6.000 Mark, Rentenbank und Bodenkultur-AG jeweils 6.500 Mark, die Reichsanstalt brachte 5.000 Mark auf. Keine Zahlungen leistete also der Arbeitsdienst, obwohl er großen Einfluss auf den Film genommen hatte. Aus der Sicht der Reichsanstalt war das ein erstes Ärgernis, noch bevor kampf um Brot in die Kinos kam. Am 19. März 1936 hatte der „Landeskulturfilm“ dann Premiere. Zum ers- ten Mal lief er öffentlich im Ufa-Theater Kurfürstendamm – im Vorprogramm zu Max Obals Kriminalfilm SchloSS vogelöd. Das war das zweite Ärgernis und zwar nicht nur für die Reichsanstalt, sondern für alle Beteiligten. Wie die Hauptstelle der Arbeitsverwaltung vermerkte, war kampf um Brot nämlich das Beiwerk zu einem „schlecht rezensierten Film“.21 Der Angriff, den man auch in der Hauptstelle las, charakterisierte SchloSS vogelöd als „Flimmer-Moritat aus 17 Vermerk vom 2.9.1935. BA R 3903/124, Bl. 92–93. 18 Reichsbauernführer (RBF) an Ufa vom 19.9.1935 in Abschrift. BA R 3903/124, Bl. 103. 19 Ufa an RBF vom 23.9.1935 in Abschrift. BA R 3903/124, Bl. 101–102. 20   RBF, Verwaltungsamt,  an  RfAA  vom  13.2.1936:  Landeskulturfilm  kamPf um brot. BA R 3903/124, Bl. 228. 21  Vermerk Bardows, undatiert [März 1936]. BA R 3903/124, Bl. 233.  Filmblatt 46/47 | 2011/12 47 Babelsberg“, als „eine Spitzenleistung an Billigkeit, bei geringsten Unkosten für Leim, Pappe, Proben und Ideen“.22 Das dritte Ärgernis aus Sicht der Reichsanstalt bestand im Kulturfilm selbst, in dem – so die Klage – die Tätigkeit des Arbeitsdienstes, „schon infolge der musikalischen Untermalung, stärker betont erscheint“ als die der Notstandsar- beiter.23 Deren Einsatz bei Meliorationsvorhaben werde zwar gezeigt, aber eben in völlig unzureichendem Umfang. Angesichts des „namhaften Zuschuss[es]“ zu den Filmkosten war das freilich ein dürftiges Resultat. Tatsächlich erwähn- te die Film-Fachpresse die Unterstützung durch den Reichsnährstand und das Reichsernährungsministerium, die Reichsanstalt aber blieb ungenannt. Eben- so unerwähnt blieben die Notstandsarbeiter, während die Aktivitäten des Ar- beitsdienstes gelobt wurden. Die Lichtbild-Bühne meinte gar: „Es ist der Film vom Arbeitsdienst, der Film vom Spaten, den die Männer im erdgrauen Rock als Symbol in ihrer Fahne tragen.“ 24 Wohl deshalb verzichtete die Hauptstelle darauf, ihre nachgeordneten Ämter auf kampf um Brot aufmerksam zu machen und den Besuch des Films zu empfehlen. „Komm ’ran Kamerad, pack an Kamerad.“ Was zeigte nun der Film? Zu Be- ginn werden Fässer mit dänischer Butter und Kisten mit Teneriffa-Tomaten am Hafen umgeschlagen. Zu den Verladeszenen fragt der männliche Sprecher (Claus Clausen) eindringlich: „Warum diese Milliardeneinfuhr? Warum hunger- ten wir im Weltkriege? Ist Deutschland nicht ein fruchtbares Land? Fruchtbar, ja!“ Weidende Kühe, wogende Getreidefelder und Erntebilder bestätigen den Sprecher, der fortfährt: „Wie wenige aber wissen: Ein Fünftel deutschen Bo- dens ist noch unfruchtbar oder nicht ausreichend genutzt. Ein Fünftel!“ Bilder von Brachland und Moor illustrieren die Aussage. „Allein 10.000 Quadratki- lometer fruchtbares Land werden alljährlich überschwemmt! Acht Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche ist noch entwässerungsbedürftig. Und immer wieder zerstört die Gewalt des Wassers unser Land.“ Zu sehen sind Überschwemmungen, Mensch und Tier stehen im Wasser. Verschiedene Lands- leute rufen panisch aus dem Off: „Hochwasser in Schlesien! Der Oderdamm ist gebrochen! Der Rhein ist überflutet! Hochwasser, Hochwasser, Hochwasser! Gefahr! Hochwasser im Erzgebirge! In Oberbayern! Überschwemmungen! Über- schwemmungen!! Noch sind wir nicht Herr dieser Gewalten.“ 22 Der Angriff, 20.3.1936, zitiert nach BA R 3903/124, Bl. 232. Für ein positives Urteil vgl. dage- gen Berliner Lokal-Anzeiger, Nr. 69, 20.3.1936. 23  RfAA an Landesarbeitsämter  vom 31.3.1936:  Landeskulturtonfilm kamPf um brot (Ent- wurf). BA R 3903/124, Bl. 233.  24 Schneider: kamPf um brot. In: Lichtbild-Bühne, Nr. 68, 20.3.1936. Vgl. auch die längeren Vor- ankündigungen in Film-Kurier, Nr. 40, 17.2.1936 und Lichtbild-Bühne, Nr. 54, 4.3.1936, die Bespre- chungen in Film-Kurier, Nr. 68, 20.3.1936 und Deutsche Allgemeine Zeitung, Nr. 136, 20.3.1936 und die Erwähnung in Der Film, Nr. 12, 21.3.1936. Filmblatt 46/47 | 2011/1248 Ein einsames, ärmliches Bauernehepaar: Der Mann gräbt Land um, die Frau schält Kartoffeln, und der Sprecher kommentiert: „Groß ist die Armut bei diesen deutschen Volksgenossen. Allein können sie es nicht schaffen. Ganz Deutschland muss helfen!“ Arbeitsmänner in Reih und Glied rufen: „Ganz Deutschland wird helfen! Ganz Deutschland hilft!“ Dazu gibt es Bil- der vom Arbeitsdienst beim Spatenexerzieren, dann folgt eine vermutlich beim Reichsparteitag gedrehte Massenaufnahme, die ganz Deutschland sym- bolisieren soll: Arbeitsdienstleistende beim kollektiven ersten Spatenstich, hackende Jugendliche mit nacktem Oberkörper. Dazwischen ist auch eine Ansammlung zivil gekleideter Arbeiter zu erkennen – möglicherweise Not- standsarbeiter. Die Fahne des Arbeitsdienstes flattert im Wind, Jugendliche marschieren zum Lied eines Hintergrundchors: „Komm ’ran Kamerad, pack an Kamerad! Das Werk unsrer Hände schafft Brot! Wir kämpfen für Deutschland in fried- licher Schlacht! Arbeit ist erstes Gebot. Komm ’ran Kamerad, voran Kamerad! Wir schaffen dem Bauern das Land. Durch unsre Tat reift uns die Saat, haben wir Frucht, Kamerad!“ Dann wird die Melodie nur instrumental weitergeführt, während Erwerbslose im Arbeitsamt warten, um schon gleich bei einer fröhli- chen Verabschiedung am Bahnhof mit dem Zug aufs Land zu fahren. Es folgen Erdarbeiten mit viel Bewegung in schnellen Schnitten. Vom Spre- cher ist zu hören: „Nicht weniger als 200.000 junge deutsche Arbeitsdienst- kameraden schaffen nun Tag für Tag an dem großen Werk, vereint mit den Arbeitsbataillonen der Notstandsarbeiter. Sie schaffen in Ödland, Moor, Hei- de, schaffen Gräben, Kanäle, Straßen, schaffen landwirtschaftlich nutzbares Land.“ Es werden Bäume gefällt, Böden entwurzelt, gewendet und planiert, Grassoden geschnitten, Sand und Lehm geschaufelt, Loren beladen und aus- gekippt, Böschungen gesprengt – alles in rascher Abfolge zu vorwärtstrei- bender Musik. Eine weitere Sequenz zeigt die Landgewinnung an der Küste des Wattenmeers, wo, wie der Sprecher erklärt, im Laufe von Jahrzehnten 50.000 Hektar Neuland für Deutschland gewonnen werden sollen. Zu sehen sind hier Notstandsarbeiter und Arbeitsdienstleistende im Wechsel. Letztere überwiegen. Die feindliche Stadt thematisiert der nächste Abschnitt. Während die Kamera über Häuserschluchten fliegt, triste Mietskasernen und deren Bewohner ein- fängt, bedauert der Sprecher das Elend und die Landflucht so vieler Bauern- söhne, die in der Stadt das Heer der Arbeitslosen vergrößerten. Draußen seien dagegen Sonne und Arbeit. Ein Neulandhof entsteht, die Bänder einer Richt- krone flattern im Wind. Der Sprecher doziert: „Ein Volk, das sein Bauerntum verkümmern lässt, geht zugrunde! Denn am Anfang war“ – und die Antwort gibt ein Massenchor – „Kampf ums Brot!“ Der Sprecher wiederholt: „Und am Ende wird immer wieder sein:“ – und der Massenchor dröhnt – „Der Kampf ums Brot!“ Dazu wird auf der Leinwand das Feld bestellt und die Ernte eingefahren. Schließlich marschiert der Arbeitsdienst zum schmissigen Lied „Komm ’ran Filmblatt 46/47 | 2011/12 49 Kamerad, pack an Kamerad“.25 Der Arbeitsdienst erhielt so die Ehre der letzen Bilder und Klänge – was im Filmentwurf gar nicht vorgesehen war.26 Propaganda für die Konkurrenz. So sehr sich Der Angriff über den Haupt- film bei der Premiere mokiert hatte, so sehr schwärmte er doch von kampf um Brot: Das Partei-Blatt brachte die Dynamik des Films in Druckform und ergötz- te sich an schnellen Schnitten, an Spatenaktion und Marschschritt: „Buhnen stoßen ins Wattenmeer vor, Festungen des Neulandes, Gräben werden gewor- fen, Schützengräben gegen den Volkstod, breite Kanäle schaffen die Vorflut, diktieren Sand und Sumpf den großen Plan, den Schlachtplan eines männ- lichen Friedens. Knappe Bilder voll Härte und Schwung […].“27 Tatendrang und Kriegslust quollen aus den Zeilen. Der Rezensent lieferte emphatische Assoziationen statt einer rationalen Analyse. Auch er huldigte der „jungen Mannschaft“ – des Arbeitsdienstes. Aus Sicht der Reichsanstalt war der ganze Film Geldverschwendung, weil ihr Beitrag zu den Landeskulturarbeiten schlicht nicht zur Geltung kam. Not- standsarbeiter tauchten zwar immer wieder einmal auf, doch letztlich gingen die Männer der wertschaffenden Arbeitslosenfürsorge unter – im Bilderstrom aus wehenden Fahnen, gefälligen Marschkolonnen, uniformierten oder halb- nackten Jugendlichen des Arbeitsdienstes. Nur einmal werden die „Bataillone der Notstandsarbeiter“ überhaupt vom Sprecher erwähnt, und wären sie nicht auf diese Weise hervorgehoben worden, so hätte das Publikum gar keine Notiz von ihnen nehmen können. Dagegen schien Konstantin Hierls Organisation permanent präsent vor den Augen der Zuschauer und in den Ohren der Zuhö- rer: Die mitreißende Musik, und insbesondere die dröhnenden Märsche, wirk- ten stets im Sinne des Arbeitsdienstes auf das Publikum ein. Für den Arbeits- dienst war der Film ein voller Erfolg: Er verursachte keine Kosten, versprach aber eine gute propagandistische Wirkung. Dass die Reichsanstalt so kurz kam, könnte auch mit dem gekürzten Filmetat zusammenhängen. Der Kulturfilm sollte zuerst 35.000 Mark kosten und 20 Minuten lang sein. Am Ende kostete er nur 30.000 Mark und hatte eine Länge von knapp elf Minuten. Zudem betrieb die Ufa kostensparendes Bilder-Recyc- ling. Einige Ausschnitte borgte sie beispielsweise aus dem Propagandafilm Blut und Boden. grundlagen deS neuen reIcheS, den der Reichsbauernführer schon 1933 hatte drehen lassen und an dessen Bild- und Tongestaltung Walther Rutt- 25  Ob das Lied auch außerhalb des Films Verwendung fand, ist unklar. Im Liederbuch des Ar- beitsdienstes von 1939 ist es zumindest nicht aufgeführt. Vgl. Thilo Scheller (Hg.): Singend wollen wir marschieren. Liederbuch des Reichsarbeitsdienstes. Leipzig o.J. [1939].  26  Vgl. Rudolf Schaad und Ulrich Kayser : kamPf um brot. Entwurf für einen ca. 400 mtr. langen  Kulturfilm für das Reichsernährungsministerium vom 24.4.1935 in Abschrift. BA R 3903/124,  Bl. 106–116. 27 Der Angriff, 20.3.1936, zitiert nach BA R 3903/124, Bl. 232. Filmblatt 46/47 | 2011/1250 mann mitgewirkt hatte. Auch „wirkungsvolle Katastrophen-Aufnahmen“ von Hochwasser und Dammbrüchen konnte die Ufa billig aus ihrem Archiv beisteu- ern.28 Die Wiederverwendung von Ausschnitten war freilich nicht unüblich und kennzeichnete eine Vielzahl ähnlicher Kompilationsfilme. Die Botschaft von kampf um Brot lautete: Lebensmittelmangel, Devisen- knappheit und Arbeitslosigkeit bekämpft der Arbeitsdienst, der den altein- gesessenen Bauern und den Neusiedlern fruchtbares Land schenkt. Über die- ses Loblied konnte sich nicht nur die Arbeitsdienstführung freuen, auch die Bürokraten im Reichsernährungsministerium und im Reichsnährstand durften zufrieden sein. Denn an der Filmbotschaft klebte auch ihre Ideologie, die mit Abscheu auf die verderbte Großstadt sah und das Heil im Landleben erkannte. Die Reagrarisierung Deutschlands sollte die schlimmsten Probleme beseitigen. Die Filmprüfstelle unterstützte diese Botschaft und verlieh dem Film die Prä- dikate „staatspolitisch wertvoll“ und „volksbildend“.29 Wie viele Zuschauer der Film „bildete“, lässt sich nicht sagen. Die Ufa lieferte ihren Auftraggebern lediglich Nachweise über die Anzahl der Vorstellungen: Zwischen dem 3. April und dem 16. Juli 1936 wies sie 2.342 Vorführungen in 226 Kinos nach, vor allem in der Rheinprovinz, in Hamburg, Berlin und Bran- denburg.30 Für die Zeit vom 7. April bis 10. September belegte sie weitere 1.534 Vorführungen in 130 Kinos. Bis zum 10. September 1936 fanden also mindes- tens 3.876 Vorführungen statt.31 Die 5.000 Kinovorstellungen in anderthalb bis zwei Jahren, die die Ufa garantiert hatte, könnten also bald erreicht worden sein. Außerdem wurde der Film in Wanderkinos und bei Schulungsveranstal- tungen der Partei gezeigt. Verdrehte Tatsachen. Als der Präsident der Reichsanstalt, Syrup, seinen vorge- setzten Minister Seldte im August 1935 über den Film „Kampf um Brot“ informier- te, schrieb er, die Reichsanstalt habe darauf geachtet, dass Notstandsarbeiten „in der gleichen eindringlichen Weise“ dargestellt würden wie die Maßnahmen des Arbeitsdienstes. Syrup begründete sein Bestreben um gleiche Darstellung damit, dass Notstandsarbeiten eine erheblich höhere Gesamtleistung bei Melio- rationen erbrächten als der Arbeitsdienst.32 Tatsächlich verfehlte der Film dieses Ziel: Die Notstandsarbeiten wurden weder gleich noch überhaupt angemessen dargestellt in Relation zum Arbeitsdienst. Der Arbeitsdienst profitierte hier of- fenbar von seinen guten Beziehungen zur Landwirtschaftsbürokratie. 28  Vermerk Bardows vom 1.7.1935 zur Sitzung vom 27.6.1935. BA R3903/124, Bl. 81–82, hier  Bl. 81. 29 Filmprüfstelle Berlin, Nr. 41700 vom 24.2.1936. Bundesarchiv-Filmarchiv. 30 RBF an RfAA vom 29.7.1936: Film kamPf um brot. BA R 3903/124, Bl. 244–251. 31  RBF an RfAA vom 28.9.1936: Landeskulturfilm kamPf um brot. BA R 3903/124, Bl. 261c. 32  RfAA, Syrup, an RAM vom 27.8.1935: Landeskulturfilm. BA R3903/124, Bl. 85.  Filmblatt 46/47 | 2011/12 51 Die bevorzugte Darstellung des Arbeitsdienstes betraf nicht nur kampf um Brot, sondern war bezeichnend für die nationalsozialistische Propaganda ins- gesamt. Der Arbeitsdienst nahm darin eine hervorragende Stellung ein, weil er für Jugend- und Körperkult stand, weil er militärische Disziplin und Wirk- macht vorspiegelte und eine ideologische Erziehung in Lagerform kultivierte, die Gemeinschaft stiften sollte. Diese herausragende Stellung des Arbeits- dienstes war indes weder durch die Zahl seiner Dienstleistenden noch durch seine Meliorationstätigkeit gerechtfertigt. Syrup hatte recht mit seiner Fest- stellung, dass der Beitrag von Notstandsarbeitern bei Landeskulturaufgaben viel wichtiger war als der von Arbeitsdienstleistenden. Für die Jahre 1933 bis 1936 errechnete das Reichsernährungsministerium den Wert der Notstands- arbeiten auf 531,5 Millionen Mark, während der Arbeitsdienst einen Wert von 238 Millionen Mark schuf.33 Der Propagandafilm kampf um Brot – und nicht nur dieser – erweckte im Gegensatz dazu den Eindruck, als habe haupt- sächlich der Arbeitsdienst Meliorationen durchgeführt. Die Propaganda ver- drehte die Verhältnisse zwischen Arbeitsdienst und Notstandsarbeiten: In der Wirklichkeit dominierten die Notstandsarbeiten, in der Propaganda der Arbeitsdienst. Kampf um Brot Deutschland 1936 / Produktion: Universum-Film AG (UFA) / Regie: Dr. Ulrich Kayser / Drehbuch: Rudolf Schaad / Kamera: Gerhard Müller / Musik: Rudolf Perak / Sprecher: Claus Clausen Zensur: 24.2.1936, Nr. B 41700, jugendfrei; 18.1.1940, Nr. B.53124, jugendfrei; 7.1.1942, Nr. B.56452, jugendfrei / Prädikate: „staatspolitisch wertvoll“, „volksbildend“ Kopie: Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin, 35 mm, sw, 330 Meter, 12 Minuten Aus der Tiefe empor Deutschland 1934 / Produktion: Reichspropagandaleitung der NSDAP, Amtsleitung Film / Regie: Walter W. Trinks / Musik: Wolfgang Zeller Zensur: 29.10.1934, Nr. B 37716 Kopie: Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin, 35 mm, sw, 502 Meter, 18 Minuten 33 Das Ernährungsministerium kalkulierte für den Zeitraum 1933 bis 1936 einen „Gesamt- wert“ der Meliorationen von 895,5 Millionen Mark, wobei auf Eigenleistungen 28 Millionen, auf  den Arbeitsdienst 238 Millionen, auf Notstandsarbeiten 531,5 Millionen und auf freie Arbeit 98 Millionen entfallen. Diese „Werte“ entsprechen den Kosten, die für die Ausführung in freier Lohnarbeit nötig gewesen wären; sie sind also  lediglich errechnet. Vgl. Reichsministerium für  Ernährung  und  Landwirtschaft  (Hg.): Die Meliorationen in den Jahren 1933 bis 1936. Berlin 1938, S. 42–43 und 51. Filmblatt 46/47 | 2011/1252 UFA-Tonwoche Nr. 198 Deutschland 1934 / Produktion: Universum-Film AG (UFA) Zensur: 20.6.1934 Kopie: Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin, 16mm, sw, 133 Meter, 12 Minuten Arbeit und Wehr (Wahlfilm Nr. 2) Deutschland 1936 / Produktion: Reichspropagandaleitung der NSDAP, Hauptabteilung IV (Film) Zensur: 18.3.1936, Nr. B 41927, jugendfrei / Prädikat: „staatspolitisch wertvoll“ Kopie: Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin, 35 mm, sw, 241 Meter, 9 Minuten Einer von vielen Deutschland 1936 / Produktion: Kultura / Reichspropagandaleitung der NSDAP, Amtsleitung Film / Regie: Gernot Bock-Stieber / Kamera: Emil Schünemann / Musik: Kurt Krüger / Dar- steller: Ilse Fürstenberg, Hilly Wildenhain, Leonie Duval, Fritz Kampers, Gerhard Dammann, Karl Harbacher, Otto Sauter-Sarto, Karl Klöckner Zensur: 13.11.1936, Nr. B 43979 Kopie: Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin, 35 mm, sw, 224 Meter, 8 Minuten